Sensorische Integration (SI)

Sensorische Integration ist die Koordination, das Zusammenspiel unterschiedlicher Sinnesqualitäten und -systeme.

Beispiele:

  1. Der Schwerkraftreiz, der auf das vestibuläre System im Innenohr (Utricculus und Sacculus) wirkt, löst eine Bereitstellung von Muskelaktivitäten (Propriozeption) aus.

  2. Gleichgewichtsreize (jemand stößt uns oder wir stellen uns auf nur ein Bein) stimulieren Rezeptoren in den Bogengängen des Innenohres und provozieren eine Haltungsanpassung (wir stürzen nicht).

  3. Augen folgen einem sich bewegenden Objekt.

  4. Wir hören ein Geräusch und drehen den Kopf zur Schallquelle.

  5. Augen steuern die Bewegung beim Schreiben (Auge-Hand-Koordination) gemeinsam mit dem taktilen (Berührungsreize über Hautrezeptoren) und propriozeptiven (tiefensensible Reize über Gelenk-, Sehnen-, Muskelrezeptoren).

Sensorische Integrationstherapie

Die Sensorische Integrationstherapie wurde maßgeblich von der US-amerikanischen Ergotherapeutin und Psychologin A. Jean Ayres entwickelt. Neben umfangreichen, teilweise standardisierten Diagnostikverfahren bedienen sich Ergotherapeuten hauptsächlich der freien Verhaltensbeobachtung.

Ziel der Therapie ist die Verbesserung der sensorischen Integration. Mittel sind die gezielte Reizsetzung bzw. das gezielte Reizangebot z.B. durch Therapeutisches Reiten.

So lässt sich die muskuläre Grundspannung beispielsweise durch lineare Beschleunigung (Rollbrettfahren, Trampolinspringen, Schaukeln in der Hängematte) verbessern.

Eine somato-sensorische Dyspraxie, also eine Einschränkung der motorischen Planungsfähigkeit wird durch Provokation von motorischen Anpassungsleistungen angegangen.

Taktile und vestibuläre Defensivität können über propriozeptive Reize (Tiefendruck, Druck und Zug, Arbeit gegen Widerstände) gehemmt werden.

In der Regel ist die Therapie nondirektiv: Der Therapeut lässt sich die Richtung durch das Kind zeigen. Nur dann, wenn das Kind in der Aktivität die Bedeutsamkeit seines Handelns erfährt, kann die therapeutische Arbeit erfolgreich sein.

Zur Anwendung kommt die SI-Therapie hauptsächlich bei Kindern, inzwischen jedoch auch bei Erwachsenen, insbesondere bei psychischen Erkrankungen, die von Körperwahrnehmungsstörungen begleitet sind (Schizophrenie). Gleichsam kommt die die SI-Therapie im Bereich Geriatrie bei demenziell erkrankten zum Einsatz.

Quelle: „Sensorische Integration“, http://de.wikipedia.org/wiki/Sensorische_Integration, 12.12.2011